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Mit Muskelkraft durch Deutschland 22. Juli bis 4. August 2007

Wald - ein Lebensraum voller Artenvielfalt

Wollreitgras Makroaufnahme Wälder sind nicht nur die Bäume, deren Größe und Wuchs uns faszinieren. Die Bäume bilden den Lebensraum, der mit seinen biologischen Funktionen und seinen Produkten unser tägliches Leben bestimmt wie kaum ein anderer: Häuser, Möbel, Tür- und Fensterrahmen, Papier, Verpackungen, Musikinstrumente, große Teile unserer Nahrung, Kleidung, Medizin und Kosmetika stammen aus dem Wald und bereichern unseren Alltag.

Die Existenz von Wäldern erscheint uns so selbstverständlich, dass wir uns eine Welt ohne sie nicht vorstellen können. Täglich erreichen uns jedoch Meldungen zum Wald, die uns alarmieren. Zum einen sind es die Auswirkungen von "Lothar" und "Kyrill" auf die heimischen Wälder. Zum anderen machen uns die Diskussionen um die weltweiten Klimaveränderungen und die Rolle, die Tropenwälder und ihre Vernichtung dabei spielen, bewusst wie sehr wir mit der Natur verbunden sind.

Die biologische Vielfalt ist der Schlüssel zum Verständnis des Zusammenspiels zwischen Mensch und Natur. Die biologische Vielfalt, von Fachleuten Biodiversität genannt, ist eine zentrale Lebensgrundlage des Menschen. Ohne sie wäre die Erde ein toter Himmelskörper wie der Mars. In allen Wäldern weltweit finden sich etwa die Hälfte aller an Land lebenden Tier- und Pflanzenarten.

Wälder - wichtig für das Leben auf der Erde

Wälder beeinflussen nicht nur Bodentemperatur, Windgeschwindigkeit, Wasserrückhalt, Wolkenbildung und Niederschlag, sondern spielen auch eine wichtige Rolle im weltweiten Kohlenstoffkreislauf und somit beim Klimawandel. Wälder binden 80 % des Kohlenstoffs, der durch Landpflanzen fixiert wird. Die Bäume nehmen - junge mehr als alte - bei der Photosynthese CO2 auf und speichern den Kohlenstoff, und zwar 10 t CO2 pro Hektar und Jahr. Eine dauerhafte Kohlenstoffdioxid-Speicherwirkung wird erst durch nachhaltige Bewirtschaftung erreicht: Geerntetes und anschließend verarbeitetes Holz speichert Kohlenstoff über die gesamte Nutzungsdauer, was die Kohlenstoffdioxid-Speicherwirkung verlängert und insgesamt erhöht.

Im internationalen Vergleich mögen unsere Wälder sehr kleinflächig, zerstückelt und artenarm erscheinen. Uns begegnet jedoch in den Waldlebensräumen Deutschlands eine ureigene mitteleuropäische Vielfalt.. Auch das Artenspektrum unserer heimischen Wälder ist beeindruckend, denn dabei dürfen vor allem nicht die Moose, Flechten, Pilze und insbesondere nicht die Tierwelt außer Acht gelassen werden. Insgesamt schätzt man 7.000 bis 14.000 Tier- und bis zu 14.000 Pflanzenarten, darunter alleine über 3.000 Pilzarten, die in naturnahen mitteleuropäischen Wäldern heimisch sind.

Wälder in Deutschland - nachhaltig seit Jahrhunderten genutzt

Rund ein Drittel der Fläche Deutschlands ist bewaldet. Diese Wälder werden von jeher vom Menschen wirtschaftlich genutzt und haben gleichzeitig eine wichtige soziale und kulturelle Funktion. So bietet die Forst- und Holzwirtschaft 1,3 Millionen Menschen alleine in Deutschland Lebensunterhalt und Arbeitsplätze. Seit fast 300 Jahren orientiert sich die deutsche Forstwirtschaft an der Nachhaltigkeit, ein Begriff, den sie "erfunden" hat. Das heißt, es darf nur so viel Holz genutzt werden, wie auch nachwächst.

Lichtschein im Wald Der Wald ist in Deutschland eine Jahrhunderte alte Kulturlandschaft, Urwald im strengen Sinne gibt es nicht mehr, lediglich einige kleinste Fragmente sind übrig geblieben. Dem Naturschutz und der Artenvielfalt wird übrigens in Schutzkonzepten Rechnung getragen: So erhalten drei Viertel der deutschen Waldflächen laut Bundeswaldinventur - übertragen auf Schulnoten - übrigens eine 1, 2 oder 3 für Naturnähe.

Tropische Wälder in Gefahr

Durch das zunehmende Bevölkerungswachstum auf der Erde und die wachsenden Konsumansprüche stehen gerade die noch verbliebenen Urwälder (meistens in Entwicklungsländern) im Spannungsverhältnis zwischen Ressourcenerhaltung und Ressourcennutzung und die weltweite Entwaldung wird zu einem typischen Wirtschaftswachstum-Ökologie-Konflikt, den es so rasch wie möglich zu lösen gilt. Das Abholzen der äußerst artenreichen tropischen Regenwälder stellt weltweit eine der größten Bedrohungen der Artenvielfalt dar. Rodung und Degradierung machen diese Wälder zudem zu Kohlenstoffquellen und tragen damit erheblich zum Klimawandel bei (20% aller vom Menschen verursachten CO2-Emissionen).

Deutschlands Verantwortung für Wald und Artenvielfalt

Seit der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED), dem sogenannten "Erdgipfel" in Rio de Janeiro im Juni 1992 ist die Erhaltung der Biodiversität Gegenstand eines völkerrechtlichen Vertragswerkes - des Übereinkommens über die biologische Vielfalt CBD. Deutschland wird im Mai 2008 Gastgeber für die 9. Vertragsstaatenkonferenz der CBD sein. Dabei wird der Wald ein Schwerpunktthema sein.

Der Naturathlon- Treffpunkt Wald 2007 soll Menschen motivieren, ihrer Verantwortung im Umgang mit dem Wald, seinen Ressourcen und seiner biologischen Vielfalt gerecht zu werden, er soll Interesse für den Lebensraum Wald wecken, faszinierende Informationen vermitteln und er soll Spaß beim verantwortungsvollen Umgang mit der Natur erzeugen.

© BfN