Was ist Naturschutz?
Da in Deutschland ursprüngliche, unveränderte Natur äußerst selten ist, muss der Naturschutz hierzulande meist menschengemachte Landschaften bewahren, auf die viele Tiere und Pflanzen längst angewiesen sind - so etwa alte Steinbrüche, Almen oder Schafweiden. Wer Kulturlandschaften natürlichem Wirken überließe, würde viele Tier- und Pflanzenarten verdrängen - zum Beispiel die wärmeliebende Mauereidechse, wenn alte Weinbergmauern zuwuchern und kühler Wald die früheren Rebflächen überschattet. In manchen Naturschutzgebieten sichern also regelmäßige Mahd oder Schafhaltung die Lebensvielfalt - als Pflegemaßnahme gegen natürlichen Waldwuchs.
Für wildes Wuchern wiederum muss anderswo, etwa in Nationalparken, Raum sein, damit sich natürliche Auen oder Naturwälder ungestört entwickeln können. Nur so wird die Bundesrepublik ihrer internationalen Pflicht gerecht, die hierzulande mögliche biologische Vielfalt zu bewahren und den Artenschwund aufzuhalten. Dass dies auch bei uns nötig ist, kann leicht aus dem Blick geraten. Denn während brutale Rodungen im Amazonas- Regenwald die meisten Betrachter sofort bekümmern, sind viele - auch folgenschwere - Störungen des Naturhaushaltes hierzulande weniger augenfällig oder vollziehen sich schleichend.
Schon im Grundgesetz (Artikel 20a) hat sich der Staat zum Schutz der "natürlichen Lebensgrundlagen" verpflichtet. Demnach ist Naturschutz offizielles Staatsziel. Um den Schutz - nicht nur bedrohter - Tiere und Pflanzen zu gewährleisten und die Lebensvielfalt zu erhalten, wurden überdies im Bundesnaturschutzgesetz mehrere Ziele fixiert. So soll es sicherstellen, dass
- die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts,
- die Regenerationsfähigkeit und nachhaltige Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
- die Tier- und Pflanzenwelt einschließlich ihrer Lebensstätten und Lebensräume sowie
- die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert sind.
Da es sinnlos wäre, Tier und Pflanzenarten ohne ihre Lebensräume zu schützen, weisen die Bundesländer geeignete Schutzgebiete aus - zum Beispiel Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete, Biosphärenreservate sowie Nationalparke.
Erfolgversprechender Naturschutz bedarf dreier Pfeiler: Er muss sicherstellen, dass Erhaltenswertes geschützt (z.B. durch Schutzgebiete), Natur-Ressourcen nachhaltig genutzt (z.B. durch die Einhaltung der guten fachlichen Praxis) und die Menschen auf dem Weg mitgenommen, begeistert und gerecht beteiligt werden - an Erkenntnissen wie an Erträgen.








