Biodiversität- Was ist das?
Bio- ..was? Biodiversität hat das Zeug dazu, mehr als eine Modevokabel zu sein. Sie bedeutet "Vielfalt des Lebens" und beschreibt die Vielfalt der Millionen von Tier- und Pflanzenarten auf der Erde, die genetische Vielfalt innerhalb einer Art bis hin zur Vielfalt der Lebensräume.
Aussterben und Neuentstehung von Arten hielten sich in der Erdgeschichte sehr lang die Waage. Heute allerdings bewegt sich eine Waagschale stark in Richtung Artensterben. Man schätzt, dass der natürlich bedingte Aussterbeprozess durch menschliche Einflüsse um das 1.000- bis 10.000-fache beschleunigt worden ist.
Dabei wissen wir noch nicht einmal, wie viele Arten es auf der Erde tatsächlich gibt. Schätzungen reichen von rund 5 Millionen bis zu 300 Millionen. Die großen Unbekannten in puncto Artenvielfalt sind die Weltmeere, der Regenwald sowie das Reich der Mikroben. Weltweit beschrieben sind ca. 1,75 Millionen Arten. Die Hälfte davon sind Insekten. Bei den Säugetieren sind bislang nur 4.630 Arten bekannt. Wir sind also weit davon entfernt, die Artenvielfalt auf unserem Planeten erfasst zu haben und ihre Wechselwirkungen untereinander sowie den möglichen Nutzen, den sie den Menschen bringen können, zu kennen. Sicher ist aber, dass die Vielfalt ein Überlebensprinzip der Natur darstellt, die es den Arten ermöglicht, sich an wandelnde Umweltbedingungen anzupassen.
Artenvielfalt ist im Übrigen nicht gleich verteilt. In bestimmten Gegenden, den so genannten Hot spots, - dazu zählen der tropische Regenwald oder Korallenriffe - ist sie besonders konzentriert, während sie in unseren Breiten eher begrenzt ist.
Zur Biodiversität gehören weiter die Ökosysteme, in denen die Arten leben. Die gesamte Erde ist ein solches Ökosystem, aber auch ein See, ein Wald oder ein Hochmoor werden als Ökosysteme bezeichnet. Außerdem umfasst der Begriff Biodiversität die genetische Vielfalt innerhalb jeder Art, also auch Rassen oder gezüchtete Sorten. Der Reichtum der biologischen Vielfalt und die von ihr erbrachten Leistungen gewährleisten also, dass Leben dauerhaft auf unserem Planeten möglich ist. Doch was heißt das konkret?
- Wälder produzieren beispielsweise Sauerstoff und filtern Emissionen.
- Ohne Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen gäbe es kein sauberes Wasser.
- Eine weitere, wenig bekannte Leistung der biologischen Vielfalt ist der Schutz vor Naturkatastrophen. Bewaldete Hänge verhindern oder minimieren Überschwemmungen und Lawinen und schützen vor Bodenerosion.
- Die im Boden lebenden Mikroorganismen sorgen für die Fruchtbarkeit der Felder und Insekten bestäuben Obstbäume.
- Bakterien fressen sich durch Ölteppiche.
- Landwirtschaft und Industrie sind auf nachwachsende Rohstoffe angewiesen.
- So nutzt die Pharmaindustrie Wirkstoffe von Pflanzen, Tieren und Mikroben: Arnika wird z.B. bei Angina pectoris sowie Herzinsuffizienz eingesetzt.
- Auch in der Kosmetik spielen natürliche Rohstoffe wie Aloe Vera, Kamille, Kokos oder Jojoba-, Mandel- und Olivenöl, eine große Rolle. Die Aufzählung ließe sich noch weiter fortsetzen.
- Biodiversität ist außerdem Vorbild für technische Innovationen. Bionik nennt sich die Wissenschaft, die sich mit der technischen Umsetzung von Prozessen und Strukturen aus der Natur befasst.
- Die Hautstruktur von Haien lieferte beispielsweise das Modell für die Entwicklung aerodynamischer Oberflächen. Sie werden im Flugzeugbau genutzt und haben dazu beigetragen, den Treibstoffbedarf erheblich zu reduzieren.
- Der so genannte Lotus-Effekt kommt bei Fassadenfarben oder Dachziegeln zum Einsatz. Wenn Oberflächen wie die Blätter der Lotusblüte mikroskopisch klein aufgeraut sind, bleiben Verschmutzungen nicht haften. Auto- und Holzlacke, die eine ähnliche Antihaft-Eigenschaft aufweisen, werden zurzeit erprobt.
- Die Motorik von Skorpionen, die sich geschickt über Sand und Fels bewegen, wird untersucht und vermessen. Ziel ist es, "biomimetische" Roboter zu konstruieren. Sie sollen sich dann ähnlich gut in schwierigen Gelände verhalten.








